WEIHNACHTSANSPRACHE DES ERSTEN BÜRGERMEISTERS MARTIN ÖTTL

Liebe Gemeinderätinnen und Gemeinderäte,
sehr verehrte Vertreterin der Presse,
liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, 

an dieser Stelle ist es eine gute Tradition, dass der Erste Bürgermeister in seiner Weihnachtsansprache auf das vergangene Jahr zurückblickt.

Bevor ich aber damit beginne, möchte ich mich zunächst einmal bei jeder einzelnen Gemeinderätin und bei jedem einzelnen Gemeinderat von ganzem Herzen bedanken.
Die Zusammenarbeit über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg ist nach meinem Empfinden überragend – genauso, wie es sein soll.
Wir „kleinen“ Kommunalpolitiker machen es den „Großen“ vor, wie es geht und was die Leute erwarten.

Wir alle wurden mehrheitlich von unseren Bürgerinnen und Bürgern gewählt, mit dem klaren Auftrag, unsere Gemeinde positiv zu entwickeln.
Wir müssen dabei stets das Wohl aller im Blick haben, auch wenn das bedeutet, dass man in dem einen oder anderen Fall einmal gegen einen Antragsteller, aber zum Wohl der Allgemeinheit entscheiden muss.
Genau diesen Wählerauftrag habt Ihr alle in herausragender Art und Weise erfüllt.
Jeder stellt seine eigenen Interessen und die seiner Partei oder Gruppierung hinten an und versucht für alle das Beste zu erreichen.
Dass es dabei natürlich unterschiedliche Blickwinkel, unterschiedliche Meinungen und auch Diskussionen gibt, das ist selbstverständlich.
Aber davon leben wir in einer Demokratie.
Jeder Kompromiss ist besser, als Fronten und Gegensätze aufzubauen.

Ich bin mir sicher, dass sich die großen Politiker einiges bei uns in Ainring abschauen könnten.
Es geht nicht um Macht und Posten, sondern um die Sache.
Gerade das macht unseren Gemeinderat aus.

Ich weiß, dass es früher durchaus andere Zeiten gab.
Die Fronten waren verhärtet, oft standen sich einzelne Gemeinderäte unversöhnlich gegenüber.
Einen einzelnen Schuldigen gab es dafür nicht.
Jeder hat seinen Teil zu dieser Eskalation beigetragen.

Doch in Ainring ist es uns gelungen, diese Gegensätze zu überwinden, zusammen zu finden und miteinander zu arbeiten.
Dafür möchte ich mich auch im Namen aller Bürgerinnen und Bürger bei Euch, liebe Gemeinderäte, herzlichst bedanken.

Der Advent ist die Zeit des Wartens – des Wartens auf Weihnachten.
Wer wartet, der hat auch Zeit auf die vergangenen Wochen und Monate zurückzublicken.
Die wichtigste Feststellung scheint mir zu sein: es geht uns allen gut.

Gemeinsam haben wir viele Bauvorhaben nach vorne gebracht und haben versucht, gerade im Wohnungsbau Akzente zu setzen.
Wir gehen dabei sehr bedächtig mit unserer Heimat und mit Grund und Boden um.
Aber was bringt uns die schönste Heimat, wenn nicht unsere Leute, unsere Kinder dort wohnen können.
Mit dem Baugebiet in Thundorf ist ein Anfang gemacht.
Baugebiete in der Saalachau und in weiteren Gemeindeteilen werden folgen.
Ich möchte deshalb betonen, dass es für Gemeinderat und Bürgermeister ein wichtiges Ziel ist, unseren Kindern Wohnungen und Bauland in möglichst jedem Ortsteil zur Verfügung zu stellen.
Wir möchten den ländlichen Raum stärken und unsere Ortsteile fördern.
An der einen Stelle geht es schneller, an der anderen leider nicht.

Dabei haben wir auch unsere Senioren im Blick.
Im vergangenen Jahr konnten wir den Weg für seniorengerechtes Wohnen in Mitterfelden, im Dorf Ainring und in Thundorf ebnen.
Das Ziel ist klar: den Menschen dort das Leben so lange wie es geht zu ermöglichen, wo sie ihr Leben verbracht haben.
Ich denke, dass wir alle an den Einrichtungen, die dort entstehen, noch viel Freude haben werden.
Ein weiteres Thema, ist unser Ainringer Rufbus, dieser nimmt ab morgen den 15.12.2021 für alle Bürgerinnen und Bürger die Fahrten auf, ich freue mich schon sehr darauf und wünsche uns, mit unseren Ainringer Rufbus immer eine gute Fahrt.

Ainring geht es gut – vor allem auch finanziell.
Wir sind nicht reich, so würde ich uns nicht bezeichnen, aber wir stehen gut da.
Viele Gemeinderats- und Bürgermeistergenerationen vor uns haben daran einen großen Anteil.
Dieses Erbe verpflichtet und der aktuelle Gemeinderat hat es verstanden.
Sinnvoll und bedächtig investieren, klug planen und immer den Blick darauf halten, nicht Geld zu verschwenden.
Das führte über die Jahre dazu, dass wir uns ein gutes finanzielles Polster für die Zukunft aufgebaut haben.

Ich könnte jetzt noch vieles aufzählen, was wir hier alle herinnen gemeinsam erreicht haben.
Doch ich möchte es dabei belassen.
Denn mir liegt am Herzen, dass ich noch ein Thema anspreche.
Und wie könnte es anders sein: es ist Corona.
Leider kommt man in der heutigen Zeit an diesem Thema nicht vorbei.

Es ist schon tragisch, was seit dem Herbst und vor allem in den letzten Wochen passiert ist.
Die Zahlen sind explodiert, die Krankenhäuser sind schneller voll gewesen, als es wir uns je erträumen haben lassen.

Ich möchte heute gar nicht alles aufwärmen, was in der letzten Zeit durch die Medien ging.
Ich möchte stattdessen heute einen Gedanken bringen, der mich sehr umtreibt: Solidarität.

Wir brauchen keine Spaltung unserer Gesellschaft.
Wir Ainringerinnen und Ainringer zeigen, dass es nur „miteinander“ geht.
Miteinander heißt aber auch, auf den anderen aufzupassen, ihm zu helfen, ihn zu unterstützen.
Ich weiß, dass es den einen oder anderen, die eine oder andere gibt, die sehr skeptisch über die Impfungen denkt.
Ich akzeptiere das und verurteile niemanden.
Aber jeder sollte sich Gedanken machen, was sein persönliches Handeln auslöst.

Leider ist es so, wie es die Virologen prognostiziert haben:
Ungeimpfte haben öfters schwere Verläufe der Erkrankung und müssen öfters und viel länger auf der Intensivstation betreut werden.
Jedes Bett auf Intensiv, welches wir durch eine Impfung freihalten können, kommt dem nächsten zu Gute.
Dadurch kann vielleicht der eine oder andere Krebspatient und Unfallpatient mehr gerettet werden.
Andere Patienten können operiert und von Krankheit geheilt werden.

Wenn Sie in der Lage wären, dass sie nicht mehr operiert werden können, weil die Intensivstation voll ist und ihre Lebenserwartung dadurch sinkt oder sie deshalb vielleicht sogar dem Tod ins Auge sehen – was würden sie denken?

Wie würde es ihrer Familie gehen?

In solchen Zeiten erinnere ich mich immer wieder an ein Zitat von Mahatma Gandhi:

„… und wenn ich verzweifle.
Dann erinnere ich mich,
dass durch alle Zeiten in der Geschichte der Menschheit
der Weg der Wahrheit und der Liebe
immer gesiegt hat.“

Viele Menschen sind verzweifelt.
Die Zahl der psychisch angeschlagenen und kranken Menschen steigt.
Doch mit Wahrheit und Liebe werden wir als Gemeinschaft diese Zeit der Probe auch bewältigen.

Ja – auch solche Gedanken gehören zum Advent.
Nachdenken über die Welt ist gut, aber jeder von uns sollte die Zeit nutzen und sein eigenes Verhalten reflektieren.

In der Gemeindezeitung habe ich ein Gedicht von Peter Rosegger abdrucken lassen.
Ich möchte es an dieser Stelle nicht wiederholen, aber der Grundtenor scheint es mir schon wert zu sein, nochmals erwähnt zu werden:

Ein bisschen weniger ich und ein bisschen mehr wir ….

Und die Menschheit hätte wahrscheinlich in vielen Bereichen ein besseres Leben.

Ich bin kein Theologe, um Gottes willen nein.
Aber auch das ist ein wesentlicher Teil der weihnachtlichen Botschaft: mehr wir – mehr gemeinsam – mehr auf den anderen schauen und mehr Nächstenliebe zeigen.
Das ist Weihnachten.

Ich möchte zum Abschluss deshalb noch einmal einige Menschen herausheben, die das Thema Nächstenliebe nicht nur predigen, sondern vorleben.
Stellvertretend für alle, die auf einen Mitmenschen schauen, möchte ich ein herzliches Vergelt´s Gott beim Team des Weltladens sagen.
Rosi Pscheidl und Edith Höglauer sind dabei zwei wichtige Gesichter, aber sie sind nicht allein.
Jeder, der sich für diese Ziele einsetzt und im Weltladen oder drumherum aktiv ist, ist ein leuchtendes Vorbild dafür, wie es sein soll und kann. Vielen Dank dafür.
Vielen Dank bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die auf den Nächsten schauen, ihm helfen, mit ihm reden und Empathie zeigen.
Vielen Dank an die vielen Menschen hier in Ainring, die auf uns alle schauen.
Sie sind die wahren Helden dieser Zeit.

Vielen Dank den Menschen, die im Impfzentrum arbeiten.
Sie haben in den letzten Wochen einen wahrlich harten Job gehabt.
Auch das Team des Testzentrums leistet hervorragende Arbeit.
Danke auch dafür.
Nicht zuletzt bedanke ich mich bei allen Menschen, die in medizinischen Berufen oder in der Pflege arbeiten.
Wir alle sollten nicht nur klatschen für diese Menschen.
Wir sollten uns aktiv dafür einsetzen, dass sie auch die entsprechende finanzielle Entlohnung für Ihre Mühen und Entbehrungen bekommen.

Zu guter Letzt bedanke ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde, egal ob im Rathaus, bei den Gemeindewerken, in den Kindertageseinrichtungen oder im Bauhof.
Ich bin stolz und dankbar, dass ich gemeinsam mit Euch arbeiten darf.
Ihr seid eine große Freude.
Ich danke allen Bürgerinnen und Bürger dafür, dass sie auf uns vertrauen, dass sie uns hier unterstützen und dass sie uns auch einmal kritisch begleiten.

Danke nochmal an alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte und meinen beiden Stellvertretern Rosi Bernauer und Martin Strobl für die immer vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Ich wünsche Ihnen allen eine möglichst ruhige Adventszeit, besinnliche Weihnachten, gute Gespräche, schöne Begegnungen wo es geht, einen guten Rutsch ins neue Jahr und für 2022 wünsche ich uns allen ein Ende der Pandemie.

Bleiben Sie gesund und passen Sie auf sich auf.

Pressebild Bgm Weihnachten